Das Lebensende würdevoll gestalten
Als Hospiz (lateinisch sinngemäß für „Ruheplatz”) bezeichnet man ein Konzept für die Begleitung sterbender Menschen und ihrer Angehörigen. In erster Linie umfasst es die Betreuung unheilbarer kranker Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Dies kann sowohl in den eigenen vier Wänden als auch im stationären Bereich geschehen. Hervorgegangen ist das Hospiz aus einer bürgerlichen Initiative, die das Tabuthema Tod und Sterben wieder in der Gesellschaft verankern und auch Sterbenden einen festen Platz im Leben bieten will.
Wie bei der Sterbebegleitung allgemein stehen auch in der Hospizarbeit die persönlichen Wünsche des Sterbenden an erster Stelle ‒ z. B. nach Ruhe oder Gesellschaft, nach Konzentration oder Zerstreuung, nach der Art der medizinischen Versorgung oder Intensität der persönlichen Betreuung. Die Aufgaben des Hospizdienstes enden jedoch nicht mit dem Tod der Patienten. Auch die Angehörigen sollen auf diesem schweren Weg begleitet werden. Damit unterscheidet sich das Hospiz deutlich von herkömmlichen Institutionen im Gesundheitswesen.
Der Begriff Hospiz enthält in seiner heutigen Bedeutung enthält nach J. C. Student (2004) bestimmte Kennzeichen, die allen Angeboten weltweit gemeinsam sind:
- Der sterbende Mensch und seine Angehörigen stehen im Zentrum des Dienstes.
- Der Sterbende erfährt Unterstützung von einem interdisziplinären Team unter Einbeziehung freiwilliger Helfer.
- Krankheitssymptome wie Schmerz, Übelkeit oder Atemnot werden ständig beobachtet.
- Die gesamte, vom Tod eines Menschen betroffene Personengruppe wird fürsorglich unterstützt.
In Deutschland gibt es heute rund 150 stationäre Hospize, fast 1.500 ambulante Hospizdienste und über 80.000 Hospizhelfer. Der eigentliche Bedarf aber liegt deutlich höher.
Ambulanter Hospizdienst
Man spricht von einem ambulanten Hospiz, wenn die Sterbenden in ihrer eigenen oder in der Wohnung von Angehörigen betreut werden. Dabei kommen nach Wunsch und Bedarf täglich für ein paar Stunden haupt- oder ehrenamtliche Helfer/innen ins Haus. Oft wird hierdurch die Arbeit eines ambulanten Pflegedienstes um die psychologische und soziale Komponente ergänzt. Nicht nur die Sterbenden, sondern auch die Angehörigen erfahren in der Regel eine kostenlose Unterstützung durch die Mitarbeiter des ambulanten Hospizdienstes.
Stationäres Hospiz
Kann oder will ein Patient aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr zu Hause versorgt werden, greift das stationäre Hospiz. Anders als in einem Pflegeheim steht hier die persönliche Betreuung eines Sterbenden im Vordergrund. Dementsprechend intensiver werden die Patienten psychologisch umsorgt und medizinisch betreut. Sie und ihre Angehörigen sollen im Hospiz zur Ruhe kommen und zum Ende ihres Lebens ein Stück „Normalität“ erfahren können.
Persönliche Dinge und teilweise auch eigene Möbelstücke können mit ins Hospiz genommen werden. Die Patienten bestimmen weitestgehend selbst, wann und wie sie versorgt werden.
Die Mahlzeiten werden den Wünschen der Gäste angeglichen und nicht nach medizinischen Indikationen verabreicht. Auch Angehörige sind selbstverständlich willkommen, können an den Mahlzeiten teilnehmen und auch im Hospiz übernachten. Gesprächsangebote tragen dazu bei, dass sie mit der oft belastenden Situation besser umgehen können.
In Notfallsituationen wie Schmerz- oder Atemnotattacken können Sofortmaßnahmen eingeleitet werden. Meistens lässt sich damit die Einweisung in ein Krankenhaus verhindern. In der Regel bleiben die Verstorbenen noch bis zu zwei Tage im Haus, damit sich Angehörige und Freunde auch nach dem Tod noch von ihnen „verabschieden“ können.
Finanzierung der Hospizarbeit
Ob ambulant oder stationär ‒ grundsätzlich entstehen dem Patienten und damit auch seinen Angehörigen keine Kosten für die Inanspruchnahme von Hospizleistungen. Der ambulante Hospizdienst erfolgt in der Regel von ehrenamtlichen Helfern. Im stationären Hospiz werden 90 % der anfallenden Kosten in aller Regel von den Kranken- und Pflegekassen übernommen, 10 % hat der jeweilige Träger selbst zu aufzubringen. Obwohl viele ehrenamtliche Helfer kostenlos für Hospizdienste arbeiten, sind gerade stationäre Hospize auf Spenden angewiesen. Jede noch so kleine Summe kann helfen, den Hospizbetrieb aufrecht zu erhalten und weiter optimieren zu können.
Die Hospizbewegung in Deutschland, die Ende der 1970er Jahre entstand, ist eine Antwort auf den gesellschaftlichen aber auch gesundheitspolitischen Umgang mit schwerer Krankheit, dem Sterben und dem Tod. Ausgangspunkte der Hospizbewegung sind die früher oft mangelhafte Schmerztherapie, die Verdrängung des Sterbens in der Gesellschaft, die mitmenschliche Hilflosigkeit von Angehörigen sowie die Angst, Vereinsamung und Verzweiflung todkranker Menschen selbst.
Die Hospizarbeit lebt vor allem von der meist ehrenamtlichen Basisarbeit vieler Menschen, die ihren Gemeinsinn und ihre Fürsorge einbringen, um Menschen ganz individuell in der Phase des Sterbens beizustehen. Sie spannt einen Bogen von den Bedürfnissen des Patienten über die gesellschaftliche Verantwortung bis hin zur Betreuung der Hinterbliebenen.