Den Patienten zu selbstständigem Handeln aufzufordern ist wichtig – frei nach dem Motto "So viel wie nötig, so wenig wie möglich".

Bei Schlaganfallpatienten stehen individuelle Rehabilitationsmaßnahmen ganz oben auf der Prioritätenliste. Physiotherapie, Ergotherapie, Sprachtherapie und Neuropsychologie sind professionelle Hilfen, aber auch mühsam für die Betroffenen. Alltägliche Aufgaben und Bewegungen müssen neu eingeübt werden. Das gelingt – wenn überhaupt – nur unter großer Anstrengung.
Angehörige leisten bei funktionellen Störungen des Patienten wertvolle Hilfen bei Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL). Für den Rehabilitationsprozess gilt hier insbesondere der Grundsatz: "So viel Unterstützung wie nötig und so wenig wie möglich". Das Handeln nach diesem einfachen Grundsatz bedeutet für das therapeutische Team einschließlich Patient und Angehörigen kontinuierliche Bewertung und Anpassung. Nur so kann der Patient sein "Rehabilitationspotenzial" voll ausschöpfen.
Laut einer großangelegten Studie entwickelt etwa jeder dritte Patient nach einem Schlaganfall eine Depression. Jedoch erhalten bisher nur die wenigsten davon eine Behandlung diesbezüglich – nicht zuletzt deshalb, weil sie oft ausschließlich von ihren Hausärzten und nicht zusätzlich von Neurologen betreut werden.
Im Zusammenhang mit einer Depression nach einem Schlaganfall sollten pflegende Angehörige immer auf Anzeichen wie Traurigkeit, Antriebslosigkeit oder Teilnahmslosigkeit achten und diese den behandelnden Ärzten mitteilen.
Nur wer die Situation eines Schlaganfallpatienten versteht, kann die Gratwanderung zwischen Fordern und Helfen beherrschen. Dieses Verständnis jedoch muss in den meisten Fällen erst erworben werden. In der pflegerischen Praxis werden entsprechende Schulungsangebote leider nur selten wahrgenommen. Dabei ist es für alle Beteiligten entlastend und hilfreich, wenn Pflege so begriffen und vollzogen wird. Der Gesetzgeber fördert notwendige Kurse finanziell oder erstattet die Kosten für diese sogar ganz.