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Eine exakte Diagnostik bei Multimorbidität gestaltet sich sehr schwierig, da viele Symptome auf mehrere Krankheitsbilder zutreffen können oder aber auf Wechselwirkungen der verabreichten Medikamente zurückzuführen sind. Häufig ist es ebenso wenig feststellbar, welche Ursprungserkrankung in welcher Folgekrankheit resultierte.
Auch wenn bestehende Krankheiten nicht unbedingt geheilt werden können, sollte die Hauptaufgabe der ärztlichen und pflegerischen Behandlung darin bestehen, weitere Folgeerkrankungen zu vermeiden. Ebenfalls sollte permanent versucht werden, die medikamentöse Therapie zu optimieren, indem negative Arzneimittelwirkungen eingedämmt und im besten Fall eingestellt werden.
Um die Lebenssituation von multimorbiden Patienten zu verbessern und weitere Folgeerkrankungen zu vermeiden, muss eine individuelle Strategie festgelegt werden. Diese mündet zumeist in einer optimalen Kombination verschiedener Therapiemaßnahmen. Hierzu zählen pflegerische Aktivitäten genauso wie die medikamentöse Behandlung oder Vorbeuge- und Reha-Maßnahmen (Diät, Ergotherapie etc.). Viele häufig auftretende Alterserkrankungen lassen sich auch durch psychosoziale Maßnahmen oder Verhaltenstherapien positiv beeinflussen.
Wie bereits erwähnt, resultiert Multimorbidität nicht selten aus Wechselwirkungen der Medikamente, die zur Linderung unterschiedlicher Krankheitssymptome eingenommen werden. Das Problem: Häufig sind die Auswirkungen erst spät oder gar nicht erkennbar – nicht zuletzt, da jeder Patient ganz individuell oder sogar atypisch auf unterschiedliche Wirkstoffe reagiert. Etwa 6,5 % aller Krankenhauseinweisungen erfolgen aufgrund von unerwünschten Arzneimittelwirkungen.
Aus diesem Grund sollte jeder behandelnde Arzt über alle eingenommenen Arzneimittel informiert sein. Das gilt auch für vermeintlich "harmlose", rezeptfreie oder homöopathische Medikamente sowie Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminpräparate. An Wissen mangelt es meistens nicht, jedoch an der nötigen Absprache, solange sich die ärztliche Therapie in erster Linie auf das zu behandelnde Krankheitsbild und die damit verbundene Leitlinie bezieht. Das geschieht sicherlich nach bestem Wissen und Gewissen. Dennoch geht man im Institut für Allgemeinmedizin an der Universität Frankfurt am Main davon aus, dass mindestens ein Drittel aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen vermeidbar wären.